Monographs

Malerei|Painting Uta Reinhardt   2018
 
Surface Uta Reinhardt   2013

Exhibition Catalogues

Linien und Boten   2012
 
Neuland_in_Stereo   2011

Text

Rückkopplung

In seinem Japanbuch L'Empire des Signes von 1970 - die deutsche Ausgabe über das Reich der Zeichen kam elf Jahre später - plädierte Roland Barthes dafür, die Dinge in der Schwebe zu halten und sie im Ungefähren des Mehrdeutigen wahrzunehmen, kurz, sie in ihrer Zeichenhaftigkeit zu belassen. Er erläuterte den Gedanken am Beispiel des Haiku, einer Gedichtform aus Japan, bei der Wörter aus dem Moment geschöpft und in Reihen aus fünf / sieben / fünf Silben gruppiert werden: Teich mit Seerosen / Wassernuss und Tausendblatt / Frosch springt hinein platsch. Uta Reinhardt hat kürzlich Orte aufgesucht, die einen Bezug zu diesen semiotischen Ideen haben. Sie war in Otsu am Grab des Matsuo Basho, dem Lehrmeister der Haikudichtung aus dem 17. Jahrhundert, am japanischen Meer, an der Pazifikküste, in Gärten und Tempelanlagen mit Karpfenteichen und am Biwasee nördlich von Kyoto, wo sich der Tempelbezirk des Ishiyama-dera erhebt. Hier soll die Geschichte vom Prinzen Genji entstanden sein, ein Urroman, um das Jahr 1000 abgefasst von einer kaiserlichen Hofdame namens Murasaki Shikibu. Unter anderem fuhr die Malerin auch nach Obuse, an den Ort in Zentralhonshu wo Katsushika Hokusai (1760 - 1849) Die große Welle von Kanagawa fertigte. Unter diesen Eindrücken entstanden eigene Arbeiten, von denen die Nicole Gnesa Galerie eine Auswahl zeigt, das Wasser, die Pflanze, den Fisch. Die Bilder von Uta Reinhardt aus dem Reich der Zeichen sind auch Haikus. Sie sind wie tiefe Teiche, die sich kräuseln, wenn nachmittags ein Hauch vom Wind darüber streicht und entlang des Quellkrauts ein Wasserläufer stakst, getragen von der Spannkraft zwischen Wasser und Luft, oder was sonst auszumachen ist an Farben und Formen im Spiegel der Wasseroberfläche, in der Poesie der Wasseroberfläche, auf, über und unter der Wasseroberfläche. Aber Wasseroberfläche: Das klingt auf deutsch nicht schön im Gedicht und auf der Leinwand auch nicht, ein Kompositum aus Vorhandenem, zu lang, sperrig, ausdrucksschwach, ja eigentlich begriffsstutzig und verlegen ums Wesentliche, diese Wasseroberfläche. Das Japanische weiß ein eigenes Wort dafür. Es lautet Minamo. Je ausdauernder wir die Bilder von Uta Reinhardt betrachten, desto bewusster durchdringen wir die Oberflächen mehrerer Schichten, jeweils nicht genau bestimmbar, aber irgendwie übereinander in ein Gemisch geblendet. Plötzlich erkennen wir das Minamo und hören ein Geräusch, das entsteht, so wie der Frosch ins Minamo springt, die Libelle dicht darüber surrt, der Eisvogel pfeilschnell angeschossen kommt und ins Minamo fällt wie ein Stein, wie ein Edelstein, und der rosarote Karpfen mit der Flosse schlägt im Schlamm. Jetzt sehen wir das Haiku und hören es zugleich, wir hören die Silbe, das Platsch. Es schlägt uns aus dem Bild entgegen. Was wir wahrnehmen, das bestimmen wir selbst. Wir erzeugen Rückkopplungen aus dem Augenblick heraus, gespeist aus eigener Anschauung, aus eigener Erfahrung, aus eigener Phantasie. Uta Reinhardt arbeitet mit diesen Rückkopplungen und setzt sie gleich mehrfach ins Bild. Ihre Bilder sind offen. Wer mag, dem öffnen sie einen haikuhaften Zugang; wer mag, dem öffnen sie einen Zugang über den Umgang mit den malerischen Möglichkeiten. Wenn Reinhardt die Wasseroberfläche meint, dann in Form von Malerei. ("Das Denken beim Malen ist das Malen", Gerhard Richter 1962 / "Der Verkehr der Farben untereinander, das ist die ganze Malerei", Rainer Maria Rilke nach einer Ausstellung von Paul Cézanne 1907). Diese Bilder zeigen eine Malerei fern der Abbildung. Eine Malerei, die auf dem Bildträger Farbe verwandelt in Zeichen, in Abstraktion und Illusion, in einen Möglichkeitsraum. Eine Malerei, die das Malen im Bild verstärkt und die Bezüge zu anderen Malern. Eine Rückkopplung in der Akustik ist ein Nachhall, eine Übersteuerung, eine Verzerrung, bedingt kontrollierbar, oft Selbstläufer. Manchmal ist sie dissonant und störend, manchmal gibt sie dem Ton eine neue Qualität. Sie macht das Klangbild so mehrdeutig wie eines jener Zeichen, die Roland Barthes wohl meinte. Sie ist das Werkzeug der Künstlerin. Darin liegt eine Kraft, die diese Echos hervorruft. Mata ne.

Thomas Weidner, München, November 2025

Thomas Weidner ist Kunsthistoriker, sowie Stellvertretender Direktor und Sammlungsdirektor am Münchner Stadtmuseum.

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In his book on Japan, L'Empire des Signes (1971) - the English edition, The Empire of Signs, appeared 13 years later - Roland Barthes argued for keeping things in suspension, perceiving them in the indeterminate realm of ambiguity; in short, allowing them to remain within their very nature as signs. He illustrated this idea using the example of the haiku, a Japanese poetic form in which words are drawn from the moment and grouped into lines of five / seven / five syllables: Pond with water lilies / water chestnut and milfoil / frog jumps in splash. Uta Reinhardt recently visited places connected to these semiotic ideas. She went to Otsu, to the grave of Matsuo Basho, the 17th-century master of haiku poetry; to the Sea of Japan, the Pacific coast, gardens and temple complexes with koi ponds; and to Lake Biwa, north of Kyoto, where the temple district of Ishiyama-dera rises. It is said that The Tale of Genji, the primordial novel written around the year 1000 by the imperial court lady Murasaki Shikibu, was conceived there. The painter also traveled to Obuse, in central Honshu, the place where Katsushika Hokusai (1760-1849) created The Great Wave off Kanagawa. Out of these impressions, her own works emerged, the water, the plant, the fish, a selection of which is now shown by the Nicole Gnesa Gallery. Uta Reinhardt's paintings from the Empire of Signs are themselves haikus. They are like deep ponds that ripple when a breath of afternoon wind passes across them and a water strider stalks along the springweed, carried by the tension between water and air or whatever else can be discerned in the mirror of the surface: colors, shapes, the poetry of the water's skin, on, above, and beneath it. But Wasseroberfläche ("water surface") - the German word - sounds awkward in poetry, and even on the canvas: a compound from existing parts, too long, clumsy, lacking expressiveness, almost dull and embarrassed about its essence. Japanese has its own word for it: minamo. The longer we look at Uta Reinhardt's paintings, the more consciously we penetrate the surfaces of multiple layers, each indistinct, yet somehow blended together into one. Suddenly, we perceive the minamo and hear the sound that arises when the frog jumps into it, the dragonfly hums just above it, the kingfisher darts down like an arrow and falls into it like a stone, like a gemstone, and the pink carp slaps its fin in the mud. Now we see the haiku and hear it at the same time; we hear the syllable, the splash. It leaps out of the picture toward us. What we perceive is determined by ourselves. We generate feedback from the moment, nourished by our own perception, experience, and imagination. Uta Reinhardt works with these feedback loops, embedding them in her images in different ways. Her paintings are open. For those who wish, they offer a haiku-like access; for others, an access through the means of painting. When Reinhardt speaks of the water's surface, she means it in the form of painting. ("Thinking while painting is painting," Gerhard Richter, 1962 / "The intercourse of colors among themselves, that is what painting is about," Rainer Maria Rilke after seeing a Paul Cézanne exhibition, 1907.) These works present a kind of painting far removed from illustration, painting that transforms color on the canvas into sign, into abstraction and illusion, into a space of possibility. It is painting that intensifies painting itself within the image and draws connections to other painters. In acoustics, a feedback is an echo, an overload, a distortion, partly controllable, often self-perpetuating. Sometimes it is dissonant and disturbing; sometimes it gives a tone new quality. It renders the sound image as ambiguous as one of those signs Roland Barthes had in mind. It is the artist's tool. In it lies a force that evokes these echoes. Mata ne.

Thomas Weidner, Munich, November 2025

Thomas Weidner is an art historian and Deputy Director as well as Director of Collections at the Munich City Museum

 

lush

Nicole Gnesa ist stolz, ab dem 14. September 2023 in der Ausstellung lush neue Arbeiten der renommierten Malerin Uta Reinhardt zu zeigen. Bereits der Titel lush verweist auf die üppige Pracht und das lebhafte Wachstum, die in dieser Werkgruppe zum Ausdruck kommen. Doch liegt der Fokus nicht allein auf dem Motiv des Gartens, die Ausstellung ist eine Huldigung an die Kraft der Ahnung und der Erinnerung. Ob Epikurs Kepos, Monets Giverny oder Heideggers Todtnauberg, seit jeher gilt der Garten unter den Gelehrten und Künstlern als Ort der Kontemplation, der Ruhe und Inspiration. Auch bei Uta Reinhardt zeigt sich der Garten als locus amoenus, doch gleichsam wird der Betrachter irritiert und eine tiefe emotionale Resonanz wird hervorrufen. Uta Reinhardt spielt mit verschiedenen Techniken, um diesen Eindruck zu erzeugen. Sie setzt zur klassischen Malerei Siebdrucke ein, aber nicht in der üblichen präzisen Weise, die diesem Medium eigen ist. Stattdessen nutzt sie die Siebdrucke, um eine Art verschwommene Schichtung zu schaffen. Diese bewusste Unschärfe erzeugt eine fast traumähnliche Qualität. Die Linien und Formen verschmelzen, verwaschen und verschwimmen, vergleichbar mit den unklaren Konturen unserer Erinnerungen, die sich im Laufe der Zeit kontinuierlich transformieren und zu einem reichen Geflecht aus Emotionen und Erfahrungen entwickeln. Der Betrachter wird dazu eingeladen, in die großformatigen Bilder und damit in die eigene Vorstellungswelt einzutauchen, in lebendige Echos vergangener oder antizipiert kommender Zeiten. Jedes Bild wird zur Versuchsanordnung mit den Variablen Oberfläche, Raum, Licht, Linien und Form. Dabei setzt sich die Künstlerin bewusst der Relativität der Farbe aus und arbeitet mit diesem Vagen, um eine größtmögliche Offenheit im Hinblick auf das, was sich dann auf dem Bild zeigt, zu ermöglichen. Sie setzt die malerischen Mittel vielfältig, vielschichtig und opulent ein, dabei folgt sie malend dem Bild, nie umgekehrt. Das hat zur Folge, dass die Gemälde im Malprozess ein eigenes Selbst entwickeln, sie wachsen förmlich wie Pflanzen und nehmen Gestalt an.

Nicole Gnesa, München, September 2023

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Nicole Gnesa proudly presents new works by the renowned painter Uta Reinhardt in the exhibition lush, from September 14, 2023. The title lush already refers to the opulent beauty and vibrant growth expressed in this group of works. However, the focus doesn't rest on the garden motif; the exhibition is a tribute to the power of anticipation and memory. Whether Epicurus' Kepos, Monet's Giverny, or Heidegger's Todtnauberg, the garden has always been perceived by scholars and artists as a place of contemplation, serenity, and inspiration. In Uta Reinhardt's work, too, the garden appears as a locus amoenus while simutaneously unsettling the viewer, evoking profound emotional resonances. Uta Reinhardt plays with diverse techniques to create this impression. She integrates silkscreens alongside traditional oil painting, but not in the conventional precision associated with this medium. Instead, she employes silkscreens to create a kind of blurred layering effect. This deliberate blurring produces an almost dreamlike quality. Lines and shapes blend and blur, comparable to the fuzzy outlines of our memories, which continually transform over time, evolving into a rich tapestry of emotions and experiences. The viewer is invited to immerse themselves in the large-format paintings and thus in their own imaginative realm, replete with vivid echoes of times past or anticipated times to come. Each painting becomes an experimental composition involving the variables of surface, space, light, lines, and form. In doing so, the artist consciously exposes herself to the relativity of colour, harnessing this ambiguity to create the utmost openness regarding to what then appears in the painting. She uses painterly techniques in a varied, multi-layered and lavish way, following the painting as she paints, never the reverse. As a result, the paintings develop their own identity within the painting process, they literally grow like plants and assuming shape.

Nicole Gnesa, Munich, September 2023

 

Mesh

Mit MESH zeigt Nicole Gnesa zum fünften Mal neue Malereien von Uta Reinhardt in einer Einzelausstellung. Im Zentrum der Ausstellung steht das großformatige Werk 'Sound' (Öl auf Leinwand, 220 x 380 cm). Das monumentale Diptychon wirkt zunächst abstrakt, erst auf den zweiten Blick erscheint eine Landschaft mit einem schwebenden Boot im Vordergrund. Neben dem breitbrüstigen Hasen als Kapitän beherbergt es Uta Reinhardts Repertoirefigur, den Taucher, beide gehüllt in Lichtstrahlen, die durch die beginnende Nacht führen. So wie häufig in Reinhardts Bildern gibt es keine narrativen Elemente, die beiden Figuren sind ohne merkliche Relation, stehen mehr im Sinne einer Konstellation zueinander (vgl. Peter Kohlhaas, Uta Reinhardt: Malerei, München 2013). Die inhaltliche Ebene bleibt vage, vielschichtig, geheimnisvoll, sie tritt zurück hinter die starke, mal feine, mal brachiale Malerei, die Form und die Farbe und ihre Leuchtkraft, ähnlich der Arbeit eines Peter Doig oder Neo Rauch. Erst wenn man Reinhardt und ihr Lebensumfeld kennt, glaubt man den Wallberg als Erinnerungslandschaft vor dem Tegernsee in unterschiedlichste Blautöne gehüllt zu erkennen, Phantasie vermischt sich mit Realität. Ihr Werk wird zum Sehnsuchtsbild im romantischen Sinn, die Naturdarstellungen sind melancholisch und rätselhaft, aber auch humorvoll. Gleichzeitig steht sie in der Tradition großer Maler des magischen Realismus wie Gauguin oder Bonnard, später auch Hermann Albert, bei dem sie in Braunschweig studierte. Und dann diese Farbe! "Je tiefer das Blau wird, desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem. Es ist die Farbe des Himmels. (...) Zum Schwarzen sinkend, bekommt es den Beiklang einer nicht menschlichen Trauer. Es wird eine unendliche Vertiefung in die ernsten Zustände, wo es kein Ende gibt und keines geben kann. Je heller also, desto klangloser, bis es zur schweigenden Ruhe übergeht - weiß wird." (Wassily Kandinsky, Das Geistige in der Kunst, 1911) Wie bereits im Kubismus bekannt, wird der Betrachter ähnlich wie in der Musik durch die Unmittelbarkeit der Formen und Farben des Bildes getragen. Durch eingearbeitete Strukturen der Komposition Sound scheint man zusätzlich ein Wummern zu spüren, die roten Kleckse explodieren förmlich auf der Netzhaut. Die Dynamik ausgehend von den Strahlen gewinnt an Fahrt und nimmt den Betrachter mit auf eine psychedelische Reise ins Innerste seiner Selbst.

Nicole Gnesa, München, Oktober 2020

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With MESH Nicole Gnesa shows new paintings by Uta Reinhardt in her fifth solo show in the gallery. The center of this exhibition is the large-format work 'Sound' (oil on canvas, 220 x 380 cm). At first, the monumental diptych seems to be abstract, only at second glance a landscape with a floating boat emerges in the foreground. In addition to the broad-breasted rabbit as captain, it houses Uta Reinhardt's repertoire figure the diver, both of them shrouded in rays of light that lead through the beginning night. As often in Reinhardt's paintings, there are no narrative elements; the two figures have no perceptible relationship, are more in the sense of a constellation with each other (cf. Peter Kohlhaas, Uta Reinhardt: Malerei, Munich 2013). The narrative remains obscure, multi-layered, mysterious; it recedes behind the strong, sometimes fine, sometimes brute strokes reminiscing in form, color and its luminosity, similar to the work of Peter Doig or Neo Rauch. Only those who know Reinhardt and her living environment might believe to recognize the Wallberg as a landscape of remembrance in front of Lake Tegernsee, wrapped in the most diverse shades of blue, interweaving fantasy with reality. Her work bares elements of longing in a romantic sense, her depictions of nature are melancholic and enigmatic, but also humorous. At the same time, she stands in the tradition of great painters of magical realism such as Gauguin or Bonnard, later also Hermann Albert, with whom she studied in Braunschweig. And then there is this color! "The deeper the blue becomes, the more strongly it calls man towards the infinite, awakening in him a desire for the pure, and, finally, the supernatural. It is the color of the sky. (...) As it sinks into black, it takes on the resonance of a non-human sadness. It becomes an infinite deepening into the serious states, where there is no end and there can be none. The brighter it becomes, the more it loses its sound, until it turns into silent stillness and becomes white." (Wassily Kandinsky, The Spiritual in Art, 1911) As already known in cubism, the viewer is carried by the immediacy of the forms and colors, similar to music. Through the incorporated structures of the composition 'Sound', one seems to feel the additional sensation of an audible boom; it seems as if the red blobs actually explode on the retina.The dynamics of the rays gain momentum and take the viewer on a psychedelic journey into the innermost self.

Nicole Gnesa, Munich, October 2020

 

Surface | Dispersion

Uta Reinhardts Bildschöpfungen laden den Betrachter zu vielfältigen Deutungen ein. Jedes ihrer Gemälde scheint nach einem eigenen Gesetz komponiert zu sein. Wer freilich versucht, die so ganz unterschiedlichen Motive in ihren Bildern gedanklich zusammenzufassen und inhaltlich aufeinander zu beziehen, der wird kaum zum Kern ihrer Arbeit vorstoßen. Das malerische und zeichnerische Werk von Uta Reinhardt ist gerade deshalb so rätselhaft reich und so verwirrend vielfältig, weil es nicht schlüssig nach inhaltlichen Vorstellungen konstruiert, sondern mit rein malerischen Mitteln erarbeitet, quasi mit Pinsel oder Stift erdichtet worden ist. Mit anderen Worten: Uta Reinhardt kann den Betrachter zu intensiven Gedanken anregen, nicht weil sie gegenständlich malt, sondern weil ihrer spontan freien, über weite Strecken abstrakten Malerei immer wieder höchst lebendig gegenständliche Formen entwachsen. Ihre Bilder vermögen zu fesseln, weil die motivischen Andeutungen in große malerische Kompositionen eingebettet sind, die sowohl mit als auch ohne inhaltliche Deutung erlebt und genossen werden können. Beschäftigt man sich mit den gegenständlichen Andeutungen in Uta Reinhardts Malerei, wird man feststellen, dass diese aus der Realität übernommenen Motive nicht ihrer inhaltlichen Deutbarkeit wegen, sondern ihres malerisch verwendbaren Schauwerts, ihrer formalen Reize, ihres szenischen überraschungseffekts wegen ausgewählt worden sind. Die in den Bildern auftauchenden Menschen nehmen recht ungewöhnliche Positionen ein. Sie steigen auf Mauern, hocken am Boden, knien vor Leitern, lehnen sich gegen Fensterläden, turnen auf Betten, werfen mit Bällen und reiten auf Tieren. Die szenische Wirkung der gewählten Gesten ist klug kalkuliert, wird aber durch Fremdmotive, die dazwischenfahren, oder durch malerische Kontraste - Verschwimmendes tritt auf überscharfes, Abstraktes auf Gegenständliches - wirkungsvoll gebrochen oder subtil gesteigert. Noch deutlicher lässt sich in den Tierdarstellungen nacherleben, wie die Malerin die entdeckten Formmuster mit Farben variierend weiterformt und die beobachteten motorischen Kräfte in malerische Energie umsetzt. Die mit wenigen wirbelnden Linien und zwei drei Aquarellwischern aufs Papier gehauenen Katzenbilder lassen sich als abstrakte Improvisationen genießen und vermitteln doch aufs sinnlichste etwas von der animalischen Kraft dieser Tiere. Und die vielen sprechenden Varianten, die Reinhardt einem nur mit wenigen Pinselgesten angedeuteten Rehbockkopf abgewonnen hat, zeigen, mit welcher Lust die Malerin ein auf wenige Bestandteile reduziertes Motiv - Augen, Ohren, Hörner, Schnauze - in sprühende Malerei verwandeln kann und welche Fülle an individuellem Ausdruck sie einer Maske abzugewinnen vermag. Uta Reinhardt hat in vergleichsweise kurzer Zeit eine Welt erschaffen, in der reale Motive mit verblüffender Leichtigkeit ins Geheimnis abheben können und abstrakte Farbwelten sich dinglich so verdichten, dass sie zu reden beginnen. Die Spielmöglichkeiten, die sie sich mit dieser Methode eröffnet hat, sind schier unendlich.

Gottfried Knapp: Zu Uta Reinhardts Malerei, in: Uta Reinhardt. Surface, hg. v. Nicole Gnesa und Katharina Powers, Hirmer Verlag, München 2018

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Uta Reinhardt's pictorial creations encourage the viewer to various interpretations. Each of her paintings seems to have been created according to its own law. As a matter of fact, anyone, who tries to summarise the very different motifs in her pictures in their thoughts and to find their relation to one another within their content, will hardly advance to the core of Reinhardt's work. The pictorial and graphic work of Uta Reinhardt is so enigmatically rich and so confusingly diverse exactly because it has not been conclusively constructed according to content ideas, but is created with purely painterly means, namely with brush and pen. In other words: Uta Reinhardt can inspire the viewer to intensive thoughts, not because her painting is figurative, but because her forms are spontaneously free abstracts over long stretches of time, which emerge out of her spontaneous and highly vivid forms. Her paintings seem captivating because the motifs are embedded in large painterly compositions which can be experienced and enjoyed with or without interpreting their content. If you look at the representational hints in Uta Reinhardt's painting, you will reckon that these motifs, assumed from reality, have been chosen not for their content interpretability, but because of their pictorially usable exhibition value, their formal attractions, their scenic surprise effect. The people appearing in the paintings take quite unusual poses. They climb walls, squat on the ground, kneel in front of ladders, lean against window shutters, exercise on beds, throw balls and ride animals. The scenic effect of the chosen gestures is cleverly calculated, but is effectively broken or subtly enhanced by foreign motifs which intervene or by painterly contrasts - the blurred meets the overly sharp, the abstract meets the representational. How the painter continues to shape the discovered patterns with colours and translates the observed motoric forces into painterly energy can be experienced even more clearly in how the animal are constituted. The cat pictures, brought onto paper with a few whirling lines and two or three watercolour wipers, can be enjoyed as abstract improvisations, but then again impart something of the animalistic power of these animals in the most subtle way. And the many talking variants which Reinhardt has taken from a roebuck's head indicated with just a few brush gestures show the desire with which she transforms and envisages a motif reduced to a few components - eyes, ears, horns, muzzle - into a sparkling painting and the abundance of the individual expression she is able to win from a mask. Within a relatively short time, Uta Reinhardt has created a world, in which real motifs can lift into the mystery at an astonishing ease and abstract worlds of colour become so dense that they begin to talk. The playing possibilities she has opened up with this method are almost infinite.

Gottfried Knapp, The Paintings of Uta Reinhardt, in: Uta Reinhardt. Surface, ed. by Nicole Gnesa and Katahrina Powers, Hirmer Publishers, Munich 2018

 

Grünung

In Uta Reinhardts Bildern werden keine Geschichten erzählt. Die Mehrschichtigkeit der Komposition erschafft Situationen und Räume, die nicht zu dechiffrierende Geheimnisse birgen. Gleich einer Allianz werden stille Heldinnen von tierähnlichen Mischwesen begleitet. Die Figuren selbst sind nicht greifbar; unnahbar und gesichtslos verweigern sie sich trotz ihrer mächtigen Präsenz dem Betrachter. Sie geben auf, einer ihrer Art zu sein, und beginnen stattdessen, sich das Tierische anzueignen. Letztendlich verschmelzen sie mit dem, was sie umgibt und erscheinen dabei in einer Bildmacht von archaischer Gewalt als Boten, die beiden Welten angehören. Die verschiedentliche Bearbeitung der Bildoberfläche geht in Uta Reinhardts dargestellte Figuren über. Sie treten aus der Farbe, verschwinden in ihr, alles ist im Wandel. Durch Farbwechsel bewegte Flächen stehen im Kontrast zu diesen statischen Figuren, die wie in einer Konstellation innerhalb einer körperhaften Bildarchitektur angeordnet sind. Dabei tastet sich Reinhardt an die Malerei heran als würde sie die Szene durchwandern, sie erforscht künstliche Landschaften, Felder, Räume bis zur Bildfindung. Die Philosophie der ionischen Naturphilosophen beschäftigt sich mit dem Sein als solches, dem Wesen der Dinge (arché). Demnach ist die äußere Erscheinung individuell und zwangsläufig zufällig, im göttlichen Wesen ist alles jedoch gleich. Die elementare Frage beschäftigt sich mit dem Urstoff, der Grundmaterie, aus der alles auf der Welt besteht. Die eigentliche und somit äußere Unterscheidung der Dinge liegt allein in ihrer Form, die das Sein im kosmischen System ordnet. Nach Heraklit ergibt sich das Leben aus dem Werden, dem ständigen Verändern von Form. Mit bewegtem pastosen oder lavierenden Duktus, der ruhige Flächen mit fein gezeichneten Linien kontrastiert, wird deutlich, dass es Uta Reinhardt darum geht: alles auf der Welt ist aus einem Urstoff. Der Mensch trägt in sich die Natur, er ist aus demselben Material wie alle Lebewesen, das kann er nicht verleugnen. Uta Reinhardt studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Braunschweig bei Hermann Albert Malerei. Ihr Werk wurde bereits in zahlreichen Einzelausstellungen in Europa gezeigt, ihre Arbeit 'Nektar (Bucht)' war im November 2016 in einer Gruppenschau zur PIN Auktion in der Pinakothek der Moderne zu sehen. 2017 wird sie in St. Helena / Kalifornien an einem artist in residence Programm teilnehmen und in Menlo Park / Silicon Valley zum ersten Mal in den USA ausstellen.

Nicole Gnesa, München, März 2017

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In Uta Reinhardt's work no stories are told. The complexity of the composition creates situations and rooms which hide secrets not to be deciphered. In an alliance, heroines are put next to animalistic creatures. The figures themselves are intangible. Unapproachably and facelessly they refuse any communication to the viewer even though their presence is so foundationally powerful. They stop being one of their kind and start to descend to the animal kingdom. Ultimately, they merge with what surrounds them and appear in the power of an archaic force as messengers which belong to both worlds. The various processing of surfaces is transferred to Uta Reinhardt's figures. They come out of the colours and disappear again, everything is in flux. The moving changes of colours on the surface are in contrast to these static figures, which are arranged in the corporal architecture of the painting like in a constellation. The philosophy of the Ionic natural philosopher is about the essence of things (arché). Therefore the external appearance is individual and random, while the nature of things is the same. The elementary question is about the primary substance, the material everything is made of. The actual and external distinction of things is in their form, that put the being in order of the cosmic system. According to Heraclitus, life results from becoming, from the constant changing of forms. Through this moving, pastose or lavishing flow that contrasts calm surfaces with fine lines, one sees the point in Uta Reinhardt's painting: everything in the world is made of a primary substance. Man is one with nature, he is made out of the same material. And he can't negate this. Uta Reinhardt studied Painting at the Academy of Fine Arts in Braunschweig with Hermann Albert. Her oeuvre was shown in numerous exhibitions across Europe, in November 2016 'Nektar (Bucht)' was exhibited at Pinakothek der Moderne in Munich in a group show as the preview for the Pin Auction. In 2017, Uta Reinhardt will follow an artist in residence program in St. Helena / California and exhibit for the first time in the USA, in Menlo Park / Silicon Valley.

Nicole Gnesa, Munich, March 2017

 

Galerie1214 Berlin, November 2017

Künstlergespräch Uta Reinhardt | Rainer Stillers - in den Tiefen des Raumes: der Malerei, der Wahrnehmung, des Menschseins, von Dante und Fra Angelico bis zu Henri David Thoreau... herzlichen Dank an das engagierte Publikum und die beiden Gesprächspartner!

Die Einzelausstellung "Feldlinien" Uta Reinhardts startet mit der ART WEEK und ART Berlin. Neue Arbeiten, entstanden nach ihrem Arbeitsaufenthalt in Kalifornien, dokumentieren spannende Aufbrüche: Mit grossen Formaten in Tusche auf Leinwand, dem Zyklus Feldlinien, aufgespannt zwischen Figuration und Abstraktion, und dem "Diabelli"-Set, Monotypien von beeindruckender Farbigkeit und Inventionsreichtum. In einem fast poetisch komprimierten Standortbezug formulierte Uta Reinhardt 2016: "Ein ewiges Hinterher: immerwährende Gegenwart. Sein. Wandernd folge ich Linien und Boten. In Bildern kann die Welt sein, wie sie ist und wie sie nicht ist. In Bezug auf die Malerei heißt das: Untersuchen und kommen lassen." Feldlinien, den Titel ihrer Berliner Ausstellung, setzt Reinhardt in diesem Sinne als doppelten Raumbezug der Malerei: Feldlinien tasten bekannte Dimensionen ab und stossen in neue Bereiche vor: der Mensch ist ein Wanderer. Im übertragenen Sinn sprechen die Feldlinien von einer explorativen Einstellung. Wir führen das Sichtbare gerne aufs Bekannte zurück, vulgo: Mustererkennung. Gegenüber dieser Haltung des 'Scannens', die sich immer wieder im Vertrauten wiederfinden will, beharrt Reinhardt auf der Notwendigkeit der Befragung und der Untersuchung mit den Mitteln der Malerei. Zeigen soll sich die Welt in den Behauptungen und Leugnungen - "wie sie ist und wie sie nicht ist".

Peter Kohlhaas, Berlin, Oktober 2017

 

Uta Reinhardt: "Parade", Öl/Mischtechnik auf Leinwand, 180x190, 2016

Symbolik - Erzählung - Interpretation? Das Handwerk des Malers vollzieht sich in der Farbe, daran hält Uta Reinhardt unerschütterlich fest. Der Betrachter darf sich seinen eigenen Reim machen, aber er sollte immer von der Stofflichkeit des Bildes ausgehen. Aber zieht Reinhardts Bild "Parade" (2016) die Interpretation nicht an, wie ein Magnet das Eisen? Eine fantastische Szenerie, wie aus einem Märchen, wird aufgespannt: zwei grosse Figuren, aus der optischen Mitte jeweils nach links und rechts gerückt: die eine schreitend - oder schwebend? - umgebend von springenden Affen, im Gefolge der gestiefelte Kater... ätherisch die schreitende Figur. Spontan will man eine Frau gesehen haben, aber der Körper - wie die Leiber der springenden Affen übrigens nicht gemalt, sondern ausgesparte, konturierte Grundierung - ist geschlechtslos bemantelt; doch eine Kopfhaube ist angedeutet, darunter ein Haarputz. Ihre Haltung drückt die Gewohnheit aus, zu führen und zu befehlen. Der überproportional grosse Kater folgt denn auch dahinter in Ergebenheitspose: ein gebeugtes Knie unter dem Mantel vorschiebend; oder ist der Kater keiner, sondern ein Mensch, in der Verkleidung des Katers? Reinhardts Einladung zur symbolischen Entzifferung animiert zu einer intensiven Wanderung ins Bild: in den altrosa, wolkig-nebulösen Hintergrund, auf die schwarze, halbhohe Wand? Abschrankung? Tafel? zu, auf der in fremder Schrift Unentzifferbares verzeichnet ist; die aber wiederum von einem Untergrund in derselben Farbgebung wie der Hintergrund abtrennt... Zur überlagerung deutbarer - insofern ikonischer - Elemente kommt also eine räumliche Komplexität hinzu, vielleicht gar eine zeiträumliche: geometrisch geht dieser Raum nicht auf, ist nicht logisch; vielleicht müsste man ihn zeitlich lesen: der Kater kommt aus der Romantik, die schreitende Figur will man schon auf Renaissancebildern, vielleicht auch in flämischen Interieurs gesehen haben. Die Bildstrategie führt ins Rätsel, sie löst es nicht auf. Sie setzt es der Malerei aus: Altrosa changierend, im harten Kontrast zum Schwarz - eigentlich nur diese beiden Farben, wenn auch in Abstufungen; rosa auch der Grund ohne Halt, verlaufend, eben Farbe - Bild, das sich als Bild zu erkennen gibt; Malerei, die sich behauptet: schau mir nach, beobachte mich!

Peter Kohlhaas, Berlin, November 2016

 

Uta Reinhardt vertritt eine Generation in der Malerei, die sich mit -ismen intensiv auseinandergesetzt hat, um sich inmitten einer Welt überbordender Realien wiederzufinden. Ihre Antwort darauf ist aber kein neuer Realismus, kein Aktualismus. Ihre Malerei plakatiert keine Botschaften, sondern spürt Boten und Vorboten auf. Vorboten erst schwer zu artikulierender Bedrohungen und Botschafter der Empfindung überhaupt. Wenn ihre Malerei ein Credo hat, dann ist es ihr entschiedenes: "Ich setze mich aus". Sie nutzt ihr breites Repertoire gezielt für die Erkundung dieses Ausgesetztseins und lässt daher Abstraktion als Schonhaltung nicht gelten. Nicht aus ästhetischen Motiven, sondern in der Konsequenz ihres Programms einer malerischen Wahrheit.

Reinhardt geht mit malerischen Mitteln der Frage nach, wie wir uns in unseren verschiedenen Naturen verstricken, wie wir zwischen den Polen der Idylle und der Entfremdung uns selbst verstehen. Lange bevor z. B. der Veganismus auf den öffentlichen Diskurs einwirkte, widmete sich Reinhardt in ihren künstlerischen Studien dem Auseinanderdriften der Lebenssphären zwischen Mensch und Tier. Nicht didaktisch, sondern durch reine Malerei. Der Titel "Neue Tiere" spielt mit dem Doppelsinn: Tiere sind im Werk präsent bis hin zum eindringlichen Portrait. Präsenz, die aus der intensiven malerischen Gestik entsteht, Malerei, die bis ins Fleisch dringt. Mit der Arbeit an der Farbe entwickelt Reinhardt das Spielfeld unserer Wahrnehmung: der Pinsel verwischt, transparent lasierte Ebenen führen überraschende Konstellationen herbei, gestisch eingesetzte Kreidetupfer setzen irritierende Kontraste. Reinhardt arbeitet im Gegenständlichen jenseits der Abbildungen. Sie schafft Zugänge zu intensiven Erinnerungen, sie legt "Kindheitsmuster" fantastischer und albtraumhafter Szenerien frei und konfrontiert sie mit Leerräumen: auf die Opulenz der Malerfürsten antwortet sie mit der Latenz der Empfindung. Sie lässt Figurationen sich bilden, bis sie durch suggestive Blick-Situationen fast aufdringlich werden, verspinnt sie dann oder löst sie auf, zerstreut sie und lässt sie wieder und wieder neue Konturen suchen.

Seit der nachdrücklichen Förderung ihrer Arbeit durch den bedeutenden Galeristen und Sammler Alfred Gunzenhauser finden die Werke der Künstlerin immer mehr den Zugang zu wichtigen deutschen und internationalen Sammlungen. Nicht zuletzt die Retrospektive im Merkur-Haus in München (2013) und die umfassende Monografie im Hirmer-Verlag zeigen Reinhardt als prägnante Vertreterin der Malerei ihrer Generation.

Peter Kohlhaas, Berlin, November 2016

 

Unter dem Titel Neue Tiere versammelt Uta Reinhardt Ölbilder und Mischtechnik in kleinen und mittelgroßen Formaten aus ihrer jüngeren Schaffensperiode. In diese Zeit fällt auch der Umzug der Malerin mit ihrem Atelier von München nach Reichersbeuern, unweit vom Tegernsee. In Reinhardts Bildern haben die Tiere eine Seele. Es sind jene Mitgeschöpfe, deren Lebenswelt wir durch Leitplanken und Fernstrassen, Landschaftsverbrauch und Tourismus mehr und mehr einschränken. Fabelwesen sind darunter, Vogelmenschen - Mischwesen, in die die Menschen von jeher Träume, ängste und Sehnsüchte projizieren. So begegnet der Betrachter dem Vertrauten der äsenden Rehe ebenso wie dem Waldgeist in der Dämmerung oder dem Steinbock, der aus dem Nebel wie aus dem Nichts erscheint. Starke Farben treffen auf verwischte Konturen, die Malerin lässt durch Lasuren Ebenen sich überlagern wie Traum und Realität, setzt aber auch mit leuchtenden Tupfern und Flächen markante Kontraste. Die Natur begegnet uns als Landschaft, der Wald in dem wir spazieren oder wandern, kann zugleich fremd sein. Eine vertraute Fremde, in der Tiere und Bäume ein Eigenleben führen.

Peter Kohlhaas, Bad Dürrheim, September 2016